











Melodramma eroico in zwei Akten
Libretto von Gaetano Rossi
Uraufführung am 6. Februar 1813 am Teatro La Fenice in Vendig
Premiere an der Deutschen Oper Berlin am 22. Januar 2012
Mit TANCREDI, seiner ersten großen opera seria, gelang dem einundzwanzigjährigen Rossini ein fulminanter Auftakt zu einer langen Reihe von »ernsten Opern«, zu denen später Werke wie OTELLO, ERMIONE oder SEMIRAMIDE hinzukommen sollten – meisterhafte Beispiele eines Genres, das Rossini aus seinen starren Grenzen befreite und zu höchster Blüte brachte. Während die Arien, Duette und Finali den formalen Anforderungen der opera seria genügten, gelang es Rossini, sie durch kleine Veränderungen oder lyrische Einschübe zu einzigartigen und ganz individuellen musikalischen Edelsteinen von großer Schönheit zu formen. Er wurde damit stilbildend für viele seiner Nachfolger und Bewunderer. Selbst Richard Wagner beeindruckte Rossinis melodischer Reichtum: Sein Schneiderlied aus dem dritten Akt der MEISTERSINGER ist eine Parodie der Eingangs-Kavatine aus TANCREDI: Di tanti palpiti. Doch auch jenseits dieses bekanntesten Ohrwurms, den nach Berichten von Zeitzeugen Passanten auf der Straße, Richter bei der Arbeit oder die Gondolieri in den Kanälen von Venedig pfiffen oder sangen, warten in TANCREDI noch viele weitere bezaubernde musikalische Überraschungen auf ihre Entdeckung.
» mehr » schließenEine junge Frau, Amenaide, soll einen Mann heiraten, den sie nicht liebt, um damit den Bürgerkrieg zwischen zwei verfeindeten Familien, der ihre Heimatstadt Syrakus entzweit, endgültig zu beenden. Nur so, glaubt ihr Vater Argirio, sei die Stadt stark genug, um im Krieg mit den Sarazenen unter ihrem Anführer Solamir zu widerstehen. Amenaide allerdings liebt den Edelmann Tancredi, der bei ihrem Vater in Ungnade gefallen ist und die Stadt verlassen musste. Als ein Liebesbrief Amenaides an Tancredi - allerdings ohne Empfängernamen - abgefangen wird, glauben Argirio und ihr Zwangsverlobter Orbazzano, dass sie sich heimlich mit Solamir verbündet habe. Schlimmer noch: Auch Tancredi, der gekommen ist, um seine Geliebte zu sehen, zweifelt an ihrer Liebe. Amenaide wird zum Tode verurteilt. Um ihr Leben zu retten, fordert Tancredi Orbazzano zum Duell und tötet ihn. Da er jedoch nach wie vor nicht an ihre Treue glaubt, wirft er sich in die entscheidende Schlacht mit den Sarazenen. Mit dem Mut der Verzweiflung führt er sein Heer zum Sieg. Er selbst wird tödlich verwundet. Sterbend, in den Armen Amenaides, erfährt er, dass ihr Liebesbrief für ihn bestimmt war.
Vorlage für diese dramatische Liebesgeschichte war das Drama „Tancrède“ von Voltaire, uraufgeführt 1760. Da das italienische Publikum sich mit tragischen Opern-Schlüssen häufig nicht anfreunden wollte, schufen Rossini und sein Librettist Gaetano Rossi für die Uraufführung in Venedig am 6. Februar 1813 ein „Happy End“, das jedoch wenig Anklang fand, weil es musikalisch gegenüber dem restlichen Werk abfiel. Für die Erstaufführung von TANCREDI in Ferrara komponierte Rossini dann das (original Voltairesche) tragische Ende, das dem Werk viel angemessener war. Es wurde danach lange nicht gespielt. Erst in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts, im Zuge der Neuentdeckung der opere serie (ernsten Opern) Rossinis, besann man sich wieder auf TANCREDI und auf den „Ferrara-Schluss“.
Für Rossini, der zu dem Zeitpunkt erst einundzwanzig Jahre alt war, bedeutete TANCREDI der fulminante Auftakt zu einer langen Reihe von „ernsten Opern“, zu denen später Werke wie OTELLO, ERMIONE oder SEMIRAMIDE hinzukommen sollten – meisterhafte Beispiele eines Genres, das Rossini aus seinen starren Grenzen befreite und zu höchster Blüte brachte. Während die Arien, Duette und Finali den formalen Anforderungen der opera seria genügten, gelang es Rossini, sie durch kleine Veränderungen oder lyrische Einschübe zu einzigartigen und ganz individuellen musikalischen Edelsteinen von großer Schönheit zu formen. Er wurde damit stilbildend für viele seiner Nachfolger und Bewunderer. Selbst Richard Wagner beeindruckte Rossinis melodischer Reichtum: Sein „Schneiderlied“ aus dem dritten Akt der MEISTERSINGER ist eine Parodie der Eingangs-Kavatine aus TANCREDI: „Di tanti palpiti“. Doch auch jenseits dieses bekanntesten „Ohrwurms“, den nach Berichten von Zeitzeugen Passanten auf der Straße, Richter bei der Arbeit oder die Gondolieri in den Kanälen von Venedig pfiffen oder sangen, warten in TANCREDI noch viele weitere bezaubernde musikalische Überraschungen auf ihre Entdeckung.

